Seit dem 19. Juni 2026 brauchen Online-Shops, die an Verbraucher verkaufen, eine elektronische Widerrufsfunktion: einen Widerrufsbutton, über den Kundinnen und Kunden ihren Vertrag direkt online widerrufen können. Dieser Artikel geht die Anforderungen Punkt für Punkt durch und zeigt zu jedem Punkt, wie du ihn mit einem Formenio-Formular umsetzt. Am Ende steht eine Checkliste zum Abhaken. An einer Stelle stößt das Formular an eine Grenze, das benennen wir offen.
Keine Rechtsberatung
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Er gibt den Stand zum Veröffentlichungsdatum wieder. Lass die Umsetzung in deinem Shop im Zweifel von einer Anwältin, einem Anwalt oder einem spezialisierten Rechtstexte-Anbieter prüfen.
Woher die Pflicht kommt und für wen sie gilt
Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2023/2673. Sie fügt in die Verbraucherrechte-Richtlinie einen neuen Artikel 11a zur Widerrufsfunktion ein. In Deutschland wurde das mit dem Gesetz zur Änderung des Verbrauchervertrags- und des Versicherungsvertragsrechts sowie zur Änderung des Behandlungsvertragsrechts (BGBl. 2026 I Nr. 28) umgesetzt. Die zentrale Vorschrift ist der neue § 356a BGB, anwendbar seit dem 19. Juni 2026.
Betroffen bist du, wenn drei Dinge zusammenkommen:
- Du schließt Fernabsatzverträge mit Verbrauchern (B2C).
- Die Verträge kommen über eine Online-Benutzeroberfläche zustande, also etwa über deinen Shop.
- Für den Vertrag besteht ein Widerrufsrecht.
Reine B2B-Shops und Verträge ohne Widerrufsrecht fallen nicht darunter. Nicht jede Website braucht also einen Widerrufsbutton.
Anforderung 1: Der Button „Vertrag widerrufen“
Nach § 356a Abs. 1 BGB muss die Widerrufsfunktion gut lesbar mit „Vertrag widerrufen“ oder einer gleichbedeutend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Sie muss hervorgehoben platziert und während der Widerrufsfrist ständig verfügbar sein. In der Praxis hat sich der Footer durchgesetzt, weil er auf jeder Seite des Shops erscheint. Wichtig ist, dass der Button sich sichtbar von den üblichen Textlinks wie Impressum oder AGB abhebt.
So geht's in Formenio
Der Button selbst gehört zu deinem Shop. Er verlinkt auf das Widerrufsformular, das du in Formenio anlegst (siehe nächster Abschnitt). Ein schlichtes Beispiel für den Footer:
<!-- Muster: Link-Ziel durch die Adresse deines Widerrufsformulars ersetzen -->
<a class="widerruf-button" href="https://DEIN-WIDERRUFSFORMULAR">
Vertrag widerrufen
</a>
<style>
.widerruf-button {
display: inline-block;
padding: 0.75rem 1.5rem;
border-radius: 0.375rem;
background: #b91c1c;
color: #ffffff;
font-weight: 600;
text-decoration: none;
}
.widerruf-button:hover,
.widerruf-button:focus-visible {
background: #991b1b;
outline: 2px solid #991b1b;
outline-offset: 2px;
}
</style>In Shopify, WooCommerce oder Shopware fügst du den Button dort ein, wo dein Theme eigenen HTML-Code im Footer zulässt. Ein Plugin brauchst du dafür nicht. Wir nutzen übrigens selbst genau diesen Aufbau: Der Button „Vertrag widerrufen“ im Footer von formenio.de führt auf ein Formenio-Formular.
Anforderung 2: Das Widerrufsformular ohne Login
Nach dem Klick muss die Kundin oder der Kunde laut § 356a Abs. 2 BGB folgende Angaben machen oder bestätigen können:
- den Namen,
- Angaben zur Identifizierung des Vertrags oder des Vertragsteils, der widerrufen werden soll,
- eine elektronische Kontaktmöglichkeit, an die die Eingangsbestätigung geht, praktisch also die E-Mail-Adresse.
Ein Login oder Kundenkonto darf keine Voraussetzung sein. Auch wer als Gast bestellt hat, muss widerrufen können.
So geht's in Formenio
Leg ein neues Formular an, am schnellsten ausgehend von einer der Vorlagen oder einer leeren Seite. Die Grundlagen zu Feldtypen und Pflichtfeldern erklärt der Leitfaden zum Erstellen von Online-Formularen. Ein bewährter Aufbau:
| Feld | Typ | Pflicht? |
|---|---|---|
| Name | Einzeiliges Textfeld | ja |
| E-Mail-Adresse | E-Mail-Feld | ja |
| Bestellnummer | Einzeiliges Textfeld mit Hinweis „steht in deiner Bestellbestätigung“ | ja |
| Umfang des Widerrufs | Auswahl: ganze Bestellung / einzelne Artikel | ja |
| Welche Artikel? | Mehrzeiliges Textfeld, nur sichtbar bei „einzelne Artikel“ | bei Teilwiderruf |
| Anmerkungen | Mehrzeiliges Textfeld | nein |
Das Freitextfeld für einzelne Artikel blendest du über eine Sichtbarkeitsbedingung nur ein, wenn es gebraucht wird. So bleibt das Formular für den häufigsten Fall, den kompletten Widerruf, kurz.
Damit das Formular ohne Login erreichbar ist, muss es in den Grundeinstellungen auf „Öffentlich“ stehen. Die Optionen „Formular aufrufbar ab“ und „Formular absendbar bis“ lässt du leer, denn die Funktion muss dauerhaft erreichbar sein und nicht nur in einem Zeitfenster. Der eingebaute Bot-Schutz arbeitet ohne Captcha, sodass niemand vor dem Widerruf erst eine Aufgabe lösen muss.
Einbetten statt nur verlinken
Am saubersten ist es, wenn das Formular auf einer eigenen Seite in deinem Shop erscheint, zum Beispiel unter /widerruf. Dann bleibt deine Kundschaft auf deiner Domain. Wie das Einbetten per Embed-Code, iframe oder Link funktioniert, zeigt der Artikel Formular in WordPress einbinden. Die Wege lassen sich auf andere Shopsysteme übertragen, solange sie eigenes HTML erlauben.
Anforderung 3: Absenden über „Widerruf bestätigen“
Die Angaben werden laut § 356a Abs. 3 BGB über eine Bestätigungsfunktion übermittelt. Diese muss mit „Widerruf bestätigen“ oder einer gleichbedeutend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Ein generisches „Absenden“ reicht dafür nicht.
So geht's in Formenio
In den Grundeinstellungen des Formulars findest du die Option „Absenden Text“. Trag dort „Widerruf bestätigen“ ein. Die Einsendung landet dann als Antwort in deinem Formenio-Konto.
Damit du den Widerruf sofort bemerkst, legst du einen Workflow mit dem Auslöser „Bei Absenden“ an. Seine erste Aktion ist „E-Mail senden“ an dein Shop-Postfach mit allen Feldern als Variablen im Text. Mit „Status setzen“ hältst du den Bearbeitungsstand fest, etwa „eingegangen“ und später „erstattet“.
Anforderung 4: Datenschutzhinweis am Button
Beim Widerruf werden personenbezogene Daten verarbeitet. Empfohlen wird deshalb ein kurzer Hinweis direkt über oder unter der Bestätigungsschaltfläche, der auf deine Datenschutzerklärung verlinkt. Ein Muster:
Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung: https://dein-shop.de/datenschutz
So geht's in Formenio
Platziere den Hinweis als Beschreibung am letzten Feld vor dem Button, damit er unmittelbar über „Widerruf bestätigen“ steht. Prüf in der Vorschau auf Smartphone und Desktop, dass er dort auch wirklich erscheint und die Adresse erreichbar ist.
Nutzt du für die Widerrufsfunktion einen externen Dienst, sollte deine Datenschutzerklärung das erwähnen: welche Daten, über welchen Anbieter, wie lange gespeichert. Mit Formenio schließt du dafür den Auftragsverarbeitungsvertrag ab, die Daten liegen auf Servern in Deutschland. Die allgemeinen Grundlagen ordnet DSGVO-konforme Online-Formulare ein.
Anforderung 5: Die Eingangsbestätigung per E-Mail
Nach § 356a Abs. 4 BGB musst du den Eingang des Widerrufs unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger bestätigen. Eine E-Mail genügt dafür. Die Bestätigung muss den Inhalt der Widerrufserklärung sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs enthalten.
So geht's in Formenio
Leg im selben Workflow eine zweite Aktion „E-Mail senden“ an. Den Empfänger übernimmst du aus dem Feld „E-Mail-Adresse“. Die Nachricht setzt du aus den Feldvariablen zusammen, sodass Name, Bestellnummer, Umfang des Widerrufs und Anmerkungen in der Mail stehen. Sie geht automatisch beim Absenden raus. Als Absendernamen trägst du deinen Shopnamen ein.
Um Datum und Uhrzeit einzufügen, kannst du jeweils eine Berechnung einfügen - mehr dazu hier.
Verlass dich nicht darauf, dass der Versandzeitpunkt im Kopf der E-Mail den Eingangszeitpunkt ersetzt. Ob das genügt, ist eine Rechtsfrage und keine technische.
Was der Button nicht ersetzt
Die Widerrufsfunktion kommt zusätzlich zu den bestehenden Pflichten. Widerrufsbelehrung und Muster-Widerrufsformular bleiben nötig, und die Belehrung sollte auf die elektronische Widerrufsfunktion und ihre Adresse hinweisen. Beziehst du deine Rechtstexte von einem Anbieter, prüf, ob dort eine aktualisierte Fassung bereitsteht.
Für die Frist zählt laut § 356a Abs. 5 BGB, dass der Widerruf vor Fristablauf über die Funktion abgeschickt wurde. Da jede Einsendung mit Eingangszeitpunkt in Formenio gespeichert ist und sich als CSV exportieren lässt, hast du diese Information griffbereit. Einen Überblick über Workflows, Status und Datensätze gibt die Funktionsübersicht.
Checkliste zum Abhaken
- Geprüft, ob der Shop B2C-Fernabsatzverträge mit Widerrufsrecht über eine Online-Oberfläche schließt
- Button „Vertrag widerrufen“ hervorgehoben im Footer, auf jeder Seite sichtbar
- Widerrufsformular öffentlich, ohne Login, ohne zeitliche Beschränkung
- Felder: Name, E-Mail-Adresse, Bestellnummer, Umfang des Widerrufs, optional Freitext
- Absenden-Text auf „Widerruf bestätigen“ geändert
- Hinweis mit Link zur Datenschutzerklärung direkt am Button
- Workflow: Benachrichtigung an das Shop-Postfach
- Workflow: Eingangsbestätigung an die Kundin oder den Kunden mit dem Inhalt der Erklärung
- Datenschutzerklärung ergänzt, AVV abgeschlossen
- Widerrufsbelehrung um Hinweis auf die Widerrufsfunktion ergänzt, Muster-Widerrufsformular weiterhin vorhanden
- Einmal selbst als Gast absenden und alle Mails geprüft
Fazit
Der Widerrufsbutton besteht aus vier Bausteinen: einem hervorgehobenen Button im Footer, einem öffentlichen Formular mit wenigen Pflichtangaben, einer eindeutig beschrifteten Bestätigungsschaltfläche und einer sofortigen Eingangsbestätigung. Die ersten drei setzt du mit einem Formenio-Formular und einem Workflow in sehr kurzer Zeit um.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung und gibt den Stand zum Veröffentlichungsdatum wieder. Lass die Umsetzung in deinem Shop im Zweifel von einer Anwältin, einem Anwalt oder einem spezialisierten Rechtstexte-Anbieter prüfen.
